Minimalismus
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Interview zum Thema Minimalismus

Im Januar bekam ich die Anfrage von Sabrina Urban von der Hochschule Amberg-Weiden, ob ich ihr einige Fragen zum Thema Minimalismus beantworten würde. Sie hatte zu dem Thema recherchiert und war auf meinen Blog dabei gestoßen. Für das Magazin der Hochschule wollte sie einen Bericht schreiben und meine Antworten sollten da mit rein. Der Bericht ist fertig und gefällt mir sehr gut, wann er in dem Magazin erscheint ist noch nicht ganz raus. Das Interview darf ich hier bei mir im Blog veröffentlichen. Was mich natürlich sehr freut 🙂

Interview Minimalismus

Seit wann lebst du schon minimalistisch, und wie darf man sich das bei dir ungefähr vorstellen?

Seit wann kann ich gar nicht so genau sagen, denn seit ich mit 18 J. ausgezogen bin zieht sich das Minimalistisch durch mein Leben. Nur das ich gar nicht wußte das es für meine Einstellung zum Konsum und Leben auch einen Namen gibt. Zum besseren Vorstellen fasse ich es mal zusammen mit dem Satz: „So wenig wie möglich und nur so viel wie nötig brauchen/verbrauchen.“

Dieses Prinzip lebe ich und habe es auch mit meiner kleinen Familie (Mann und zwei Kinder mittlerweile Erwachsen mit eigenen Haushalten) immer gelebt. Zuerst auch weil wir wenig Geld hatten und dadurch schon genau überlegen musten wie viel von was wir uns leisten wollen und später als mehr Geld zur Verfügung stand, einfach aus Prinzip weil wir nicht verschwenden wollen und alles so gut und so lang wie möglich im Kreislauf halten wollen. Denn Wegwerfmentalität ist ein riesen Problem und da will ich nicht mitmachen.

Wie bist du darauf gekommen so zu leben? Gab es etwas dass dich dazu inspiriert hat?

Drauf gekommen bin ich nicht wie in der ersten Antwort zu lesen ist und das ich inspiriert wurde überhaupt drauf zu achten das man nicht sinnlos alles verschwendet und hortet und konsumiert, ist wohl in meiner Jugend entstanden. Damals mit den Friedensbewegungen, Antiatomkraftdemos, Jute statt Plastik, Tschernobyl, usw. das hat mich tief bewegt und ich wollte es besser machen und nicht an diesem Wahnsinn mit Schuld sein.

Was heißt Minimalismus für dich persönlich?

Ganz genau zu schauen ob ich etwas wirklich brauche. Ganz genau zu schauen ob etwas noch anderweitig verwendet werden kann. Genau zu schauen ob etwas noch repariert werden kann. Kurz wenig reicht auch.

Gibt es etwas das dir fehlt?

Nein.

Gab es negative Reaktionen aus deinem Umfeld zu deiner Entscheidung so zu leben?

Es gab immer wieder blöde Bemerkungen, wie z.B. „ihr braucht ne größere Wohnung, eure ist doch viel zu klein mit zwei Kindern“, oder „ihr braucht aber mal ne größere Couch eure ist doch viel zu klein wenn ihr mehr Besuch habt“, oder „das ist aber nicht so schön wenn man bei euch in der Küche sitzen muss zum essen holt euch doch einen großen Tisch für das Wohnzimmer“, oder „du must dir doch was wünschen zum Geburtstag das ist doch doof wenn du nix haben willst“, „das bringt doch nix wenn du Plastik einsparst und andere es nicht machen“, oder „warum trennst du den Müll der wird doch sowieso komplett verbrannt ist doch sinnlos“ , „du rennst auch immer mit den gleichen Klamotten rum, hast du keine anderen“, usw. ja doch es gab und gibt viele solche Bemerkungen wenn ich das jetzt so lese. macht aber nix ich mache trotzdem so weiter.

Denkst du man kann es übertreiben mit Minimalismus? Bzw. was ist deine Meinung zu Menschen die „aus dem Rucksack“ leben können?

Übertreiben kann man es meiner Meinung nicht, man kann aber ziemlich übertreiben wenn man andere permanent missonieren will. Das finde ich nicht gut. Das schreckt dann ab, besser man lebt es einfach vor und vielleicht denkt der ein oder andere ja dann über sein Verhalten nach und ändert auch etwas. Nur aus dem Rucksack leben kann ich mir auch sehr gut vorstellen und ich finde es super wer das schon hinbekommt. Nur fehlt mir da manchmal von denen dann die ehrliche Aussage ob sie auch wirklch nur den Rucksack haben und nicht vielleicht doch noch einiges bei Mama/Papa oder so eingelagert haben. Das ist nämlich meist der Fall, das doch noch irgendwo ein teil Besitz gelagert ist.

Was ist deine Meinung zur Vermarktung von Minimalismus? Beispielsweise Firmen die Dinge verkaufen die Schlicht gehalten, dafür ziemlich Teuer sind und diese dann als Minimalistisch vermarkten.

Das sehe ich sehr kritisch, weil es den Sinn, die Bewegung die hinter Minimalismus steht völlig falsch rüber kommen läßt. Denn, ich kaufe mir nicht Minimalismus ich lebe Minimalismus.

Was sagst du zu dieser Thematik „Pseudo-Minimalismus“ , der eigentlich viel Geld kostet? Ist das Sinn der Sache?

Das ist genau der Punkt der durch die Werbung von Firmen und Zeitungen die auf den Zug Minimalismus aufgesprungen sind hervorgerufen wird. Es wird als Hip und total angesagt beworben und was wirklich dahinter steckt fällt unten durch. Ist aber wie bei vielem heute, es gibt eine Bewegung und die wird größer und schon tauchen die Miesmacher auf und reden alles kurz und klein und schlecht. Das ist der Spiegel unserer Gesellschaft, machst du etwas anders und nicht wie alle bist du suspekt und eine Gefahr weil du ihnen ihre Gemütliche sichere Pseudoheile Welt rauben willst.


Eine Anmerkung hab ich noch zu der Frage ob es negative Reaktionen gab. Wir haben nie irgendwo erzählt das wir minimalistisch leben oder bewußt konsumieren oder so. Die negativen Reaktionen kamen wohl weil die Menschen um uns herum bemerkt haben irgendwie ist das bei Aurelias anders als bei uns und irgendwie haben Aurelias eine andere Meinung als die Masse *gg…. möcht nicht wissen wie die Reaktionen wären wenn wir das auch noch bewußt erzählen würden. Ich kann es mir aber denken 😛 dann kommen mit Sicherheit auch so Sachen wie „aber ihr habt viel mehr Dinge als 100“ oder „warum esst ihr denn dann noch Fleisch“ oder „also minimalistisch sind eure ganzen DVDs ja auch nicht“ usw. ach lassen wir das einfach 😀

Aurelia

2 Kommentare

  1. Ist es nicht seltsam, dass man sich andauernd dafür rechtfertigen muss, wenn man „anders“ lebt als die Masse? Und dass es scheinbar legitim ist, immer mal wieder blöde Sprüche rauszuhauen deswegen? Aber eigentlich bewirkt dieses Verhalten bei mir einzig, dass ich umso berzeugter bin von dem was ich tue, wie ich es tue und warum ich es tue.
    Trotzdem: Ich verzeichne doch eine sich zwar ganz langsam ausbreitende, aber doch unübersehbare Veränderung. Die Menschen machen sich vermehrt Gedanken. Und das ist toll! Auch wenn Minimalismus zur Zeit ein „Hype“ ist- ich bin mir sicher, beim einen oder andern wird ganz viel hängenbleiben, im besten Fall nistet sich dieser Lebensstil bei einigen richtig ein und bleibt bestehen. Was sich noch ändern muss ist die Tatsache, dass der Begriff Minimalismus oft noch falsch intepretiert wird. Es geht nicht (nur) darum, möglichst wenig zu besitzen, sondern es geht um eine echte Lebensphilosophie, die schlussendlich ganz viel zu tun hat mit Nachhaltigkeit, Umweltschutz und der Veränderung der eigenen Einstellung zum Konsum jedwelcher Art!
    Hab einen fröhlichen Sonntag noch, ganz herzliche Grüsse!

    • Moin,
      ja es ist immer wieder toll mit dem rechtfertigen, aber wie du schon sagst,
      einfach beherzt weiter machen.
      Das sich was bewegt hab ich auch schon festgestellt, grad bei den jüngeren
      ist das zu merken, die machen sich viele Gedanken und setzen sie auch in die
      Tat um, das macht Hoffnung.
      Hab einen schönen Tag
      liebe Grüße
      Aurelia

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