Minimalismus, Umwelt
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Die Sache mit dem Ökostromtarif

Ist eigentlich ganz einfach und doch finde ich daran etwas was mir ganz und gar nicht gefällt.

Unser regionalen Anbieter bietet eine gute Auswahl an verschiedenen Tarifen und im Vergleich mit anderen Anbietern muss er sich auch nicht verstecken. Denn es ist doch so, keiner der Anbieter hat etwas zu verschenken. Auch wenn sie einem das mit agressiver Werbung immer wieder weiß machen wollen. Da sind vor allem die Billigstromanbieter mit gemeint. Schießen wie Pilze aus dem Boden, gaukeln einem vor wie billig Strom bei ihnen zu haben ist, und wenn du Pech hast sind sie dann Ruck Zuck Pleite und das Geld welches du bezahlt hast siehste auch nicht wieder.

Treuer Kunde passt am besten zu meiner Einstellung, ständige Wechselspiele mag ich nicht, ich bleib da wo ich bin da weiß ich was ich hab. Was aber nicht bedeutet das ich meinen Anbieter und meinen Tarif nicht hinterfrage.

Und die wichtigste Frage ist für mich: „Wenn ich einen 100% Ökostromtarif abschließe, kommt dann auch 100% Ökostrom aus meiner Steckdose?“

Die Antwort lautet: „Nein!“

So klar wird die Antwort aber auf den Seiten der Stromanbieter nicht beantwortet. Da muss man sich durchwühlen um dieses klare Nein überhaupt zu finden. Bei meinem Anbieter habe ich es nach einer Klickorgie durch diverse Links in einer Animation gefunden, wo anschaulich gezeigt wird wie der gesamte Strom den sie vertreiben sich zusammensetzt.

Was ich aber trotzdem sehr ärgerlich finde ist, daß es nicht direkt auf der Tarifseite steht. Denn dort steht 100% Ökostrom und nicht, sie erhöhen mit dem Ökostromtarif die Zufuhr am Ökostromanteil in den „Gesamtstromsee“. „Geamtstromsee“? Was ist das? Der „Stromsee“ ist der erzeugte Strom aus allen Stromerzeugenden Quellen, Atom, Kohle, Wind, Wasser, Solar, Biogas usw. Der Begriff „Stromsee“ wird zur Veranschaulichung verwendet. Und aus diesem „See“ bekommt jeder der seinen Strom nicht selbst erzeugt, sondern von einem Energieversorger beziehen muss, seinen Strom geliefert. Bedeutet, auch wenn ich 100% Ökostrom bezahle, bekomme ich aus der Steckdose ein Gemisch aus allen Stromquellen.

Warum ist das so?

Nehmen wir mal an ich sage meinem Anbieter “ Ab sofort möchte ich 100% Ökostrom haben“ . Da freut der sich natürlich weil er etwas mehr an mir verdient als mit dem alten Tarif, denn wir sind sehr sparsame Kunden mit einem Spartarif. Aber er hat ein Problem, er kann leider nicht zu dem Strom der aus dem Stromsee kommt sagen: „Die Frau Aurelia hat 100% Ökostrom geordert, also trennt mal den Öko von dem Kohle und Atom ab und schickt den los.“ Da kommt der „Stromsee“ arg ins schwitzen, denn die Leitungen durch die der Strom durch muss zum Umspannwerk und dann durch die Starkstromleitung bis in den Keller in unserem Haus und dann in meine Wohnung nach oben, da muss sich der Strom den Platz mit allem anderen Strom teilen. Da ist kein extra Platz drin damit der Öko vom Atom/Kohle Strom getrennt zum Verbraucher fließen kann. Auch im Umspannwerk wird nicht getrennt nach Öko auf die eine Seite und Atom/Kohle auf die andere Seite. Und an der Hauptleitung die vom Keller dann an die Wohnungen verteilt wird da ist auch kein Ventil was den Öko vom Atom/Kohle trennt. Also da kann mein Anbieter noch so tolle 100% Ökostromangebote machen, er kann es mir nicht in die Wohnung liefern. Im Faß liefert er mir den auch nicht und eine extra Leitung nur für meinen 100% Ökostrom verlegt er auch nicht mal eben. Und trotzdem verspricht er mir 100% Ökostrom hmmm…..

Da fühle ich mich schon ziemlich Verarscht wenn ich solche Angebote lese und es nicht direkt bei dem Angebot erklärt wird, das ich zwar für 100% Ökostrom zahle aber Gemischten bekomme. Denn es wäre doch ein leichtes zu schreiben: „Mit dem 100% Ökostromtarif fördern sie den Anteil Sauberen Stroms am Gesamtstrom. Je mehr 100% Ökostrom bestellt wird um so weniger Konventioneller Strom fließt in den Stromsee. Mit ihrer Hilfe kommen wir dem Ziel von 100% Ökostrom für alle ein Stück näher.“ (ich sollte Werbetexter werden 😆 )

Das wäre für mich eine Ehrliche Aussage und würde die Transparenz und Glaubwürdigkeit ganz schön anheben. Da würde ich mir auch überlegen schon auf Ökostromtarif umzusteigen, auch wenn ich den noch nicht 100% bekomme. Nur so wie die das jetzt Handhaben, bin ich dazu nicht bereit. Ich möchte Ehrlichkeit und keine leeren Versprechen und ein Produkt was ich zwar bezahle aber nicht bekomme, weil es gar nicht möglich ist!

Nennt mich da Kleinlich, aber für mich ist das einfach nicht Ok, wenn für etwas geworben wird und nur nach langem suchen ein Hinweis zu finden ist, daß es das Produkt nicht wie beschrieben gibt. War im übrigen nicht nur bei meinem Anbieter so sondern noch bei einigen anderen die ich unter die Lupe genommen habe.

Aurelia

3 Kommentare

  1. Tja, es wird halt heute mit fast allem Werbung gemacht – unglaublich. Wir sind vor einigen Jahren nach Proengeno gewechselt. Ein kleiner Stromanbieter aus Jemgum, Norddeutschland, der 1989 aus einer privaten Initiative von 14 Leuten gegründet wurde und mit gerade mal 2 Windkraftanlagen begonnen hat. Da weiß ich zumindestens, dass ich dort keinen Großkonzern unterstütze.

    • Hi Gabi,
      so kleine Anbieter ist eine gute Sache. Was aber richtig blöd ist, ist die EEG-Novelle die beschloßen wurde. Ein Rückschritt hoch drei 🙁
      Da wird es für kleine Initiativen echt schwer werden.

  2. Pingback: Lesefutter die Achte – wenig reicht auch

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