Lyrik, Mama Gedöns
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Erziehen-Richtig oder falsch?

Erziehen

Richtige Erziehung gibt es nicht.
Nur den Versuch es gut zu machen.

©Andrea B.

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Ein Aphorismus der mir sehr am Herzen liegt und der wie ich finde sehr gut in die heutige Zeit passt. Überall im Netz kann man lesen was angeblich das Richtige oder eben das Falsche bei der Erziehung der Kinder ist. Mitunter habe ich ja das Gefühl, daß Eltern gar nicht mehr in der Lage sind einfach nach ihrem Bauchgefühl zu handeln, weil sie permanent Verunsichert werden. Ständig wird ihnen erzählt sie müssen diesen Kurs machen und jene Ernährung sei das Non plus Ultra. Sie sollen ihre Kinder so früh wie möglich in die Hände von erfahrenen Pädagogen geben und nicht zu Hause lassen. Seit wann ist es denn besser ein Baby bei Fremden zu lassen als bei den eigenen Eltern? Was soll denn das Würmchen dabei lernen? Etwa das es besser ist sich auf Fremde zu verlassen als auf die Eigenen Eltern? Weil Fremde viel besser Wissen was es braucht als die eigenen Eltern? Da kann ich nur sagen:  „Schwachsinn!!!“

Es hat noch keinem Kind geschadet wenn es nicht in der Krippe war, oder wenn es nicht in den Kindergarten ging bevor es in die Schule kam. Sicher ist es für Kinder schön wenn sie mit drei Jahren in den Kindergarten gehen und dort viele Spielkameraden haben.  Meine Mädels waren auch im Kindergarten als sie drei waren. Aber es sollte kein muss sein und schon gar nicht eine Einmischung vom Staat der Eltern vorschreiben will wann man sein Kind wo hinzugeben hat! Bei einer solchen Einmischung in unser Familienleben wäre ich auf die Barrikaden gegangen. Ganz ehrlich, wie viele Mütter wollen denn sofort nach den acht Wochen Mutterschutz gleich wieder arbeiten? Wo sollen denn die ganzen Arbeitsplätze für Mamas herkommen die ja, wenn man dem Staat glaubt, alle brennend wieder arbeiten wollen? Sind Mamas heute wirklich so Karrierebesessen das sie ihr Baby so schnell wie möglich in fremde Obhut geben wollen? Ich kann es mir echt nicht vorstellen.

Als ich nach den acht Wochen Mutterschutz meinen ersten Arbeitstag hatte, habe ich gelitten unter der Trennung von meinem Baby. Sicher ich wußte das mein Baby bei Oma gut aufgehoben ist und ich nur einen halben Tag arbeiten muss, aber es war trotzdem fürchterlich. Ständig hatte ich ein schlechtes Gewissen und dann noch die Doppelbelastung auch den Haushalt auf Fordermann zu halten neben der Arbeit und der Fahrerei zwischen Oma – Arbeit – Oma – Zuhause. Nach vier Monaten war ich so fertig mit den Nerven und gefrustet ohne Ende das ich meinen Arbeitsplatz gekündigt habe und nur noch Stundenweise auf Minijobbasis gearbeitet habe. Das war so befreiend und passte so viel besser mit dem ab und an ein paar Stunden arbeiten. Finanziell war es ein ziemlicher Einschnitt, aber es war machbar nur mit einem Gehalt auszukommen. Gibt es halt keine großen Sprünge, dafür aber ein Entspanntes Baby eine Glückliche Mama und einen zufriedenen Papa 🙂

Und dann die Sache mit den ganzen Kursen die man heute anscheinend braucht um ein Kind zu erziehen und in seiner Entwicklung zu fördern, wann sind die eigentlich alle aus dem Boden geschoßen wie Pilze? Vor der Geburt unseres ersten Babys sind wir an einem Abend zu einem Wickelkurs gegangen weil ich mir in der Beziehung unsicher war ob ich mit meinem Wissen dem Baby gerecht werden kann. An dem Abend habe ich aber festgestellt, daß das was Mutti mir beigebracht hat um meine Puppen zu Wickeln und zu Pflegen genauso in dem Kurs vermittelt wurde mit einer Puppe 😀 also hätten wir uns auch sparen können da hinzulatschen. Wobei ich sagen muss das der Abend ziemlich lustig war. Wir kamen uns ein bissel wie Auserirdische vor mit meinen 19J. und seinen 18J. denn der Schnitt der werdenden Eltern dort lag bei 30J. Plus 😯 . Ich werde nie die Blicke vergessen die uns trafen als wir uns in der Runde vorstellten *gg…… Die Gedanken der Anwesenden konnte man förmlich hören: “ Oh Gott, das Arme Kind was soll aus dem werden bei so unreifen Eltern?“ Da kann ich nur sagen, man sollte niemals vorschnell Urteilen, denn auch sehr junge Eltern, was übrigens bei den Generationen vor uns völlig normal war, sind in der Lage ein Baby liebevoll zu Versorgen und zu Umsorgen.

Wickelkurs kann ich also noch nachvollziehen wenn werdende Eltern dort hingehen und Geburtsvorbereitung auch, aber was es sonst noch alles gibt da frag ich mich wer braucht das? Es gibt doch immer jemanden der schon Kinder hat den man fragen kann oder nicht? Ist das heute nicht mehr so das man die eigene Mama oder Schwiegermama oder Oma oder Hebamme fragt wenn man sich unsicher ist im Umgang mit dem Baby? Mag ja sein das die Generationen vor uns in Sachen Methoden nicht mehr ganz Up to Date sind und das so Moderne Babys ganz anders ticken als die Babys aus den Generationen davor. Aber mal ganz Ehrlich, ich glaube das nicht! Ein Baby ist ein Baby und hat überall auf der Welt und in jeder Generation die gleichen Bedürfnisse. Man muss nur die Sprache des eigenen Babys lernen und dann wird man auch Instinktiv das richtige tun. Und manche Methoden die unsere Eltern und Großeltern noch als gut befunden haben wie, Babys schreien lassen, Töpfchen Taining, Aufessen was auf dem Teller liegt und diverse andere Gruselige Sachen, die muss man ja nicht übernehmen und kann lieber seine Eltern und Großeltern drauf hinweisen das man es als Kind schon ziemlich Scheiße fand und das bei seinem Kind nicht will 🙂

Kommen wir jetzt mal zu den Kursen für Kleinkinder und Babys wo man sie speziell fördern soll, damit sie später in unserer nur auf Leistung ausgelegten Gessellschaft besser bestehen können sollen. Braucht es das wirklich? Sind Eltern heute nicht mehr in der Lage ihren Kindern die Welt zu zeigen und zu Erklären? Ohne das einem komische Konzepte beigebracht werden wie sie das machen sollen?

Liebe Eltern fangt doch einfach mal wieder an euch in die Kinderwelt zu versetzen und denkt mal dran wie toll ihr das Entdecken empfunden habt an der Hand eurer Eltern und Großeltern. Wie sie euch gezeigt haben das Blumen im Frühling die Köpfe aus der Erde stecken, Bäume im Herbst ihr Laub abschmeißen, es wunderschön raschelt wenn man mit den Füßen durchtobt und das Schnee kalt und hart ist aber schmilzt und zu Wasser wird wenn ihr ihn in der warmen Hand haltet. Das man mit den Händen in der Erde wühlen kann und sie mit Wasser wieder sauber werden. Das ein Tier ein ganz weiches Fell hat und es kitzelt wenn ein Pferd vorsichtig ein Stück Apfel von der Hand frisst. Das ein Märchenbuch eine Geheimnissvolle Welt zum Träumen und fürchten sein kann, aber Mama und Papa einen beschützen vor den Monstern. Das eine Puppe lebendig wird und sprechen kann wenn Mama sie in der Hand hält und die Stimme doch so vertraut ist und nach Mama klingt. Eine schlechte Note keine Angst machen muss weil es auch in einer verhauenen Arbeit Sachen gibt die man richtig gemacht hat. Als der Opa euch im Garten gezeigt hat wie ihr die leckeren Wurzeln und Erbsen findet und das Erdbeeren und Äpfel auch an der Hose sauber gerieben werden können. Das man Kirschen als Ohringe benutzen kann. Das Kleeblüten und Grashalme süß schmecken und das man Brennesseln anfassen kann und nicht brennen wenn man sie in der richtigen Richtung anfasst. Das ihr getröstet wurdet auch wenn ihr wütend gewesen seid und eigentlich ganz weit weg wolltet um die Eltern nie wieder zu sehen. Beim Brettspiel auch Eltern verlieren und ihr dann gelacht habt ohne das sie Beleidigt oder Böse gewesen sind sondern das sie eine zweite Chance wollten und wieder verloren haben. Beim nächsten mal aber ihr dann verloren habt und dann auch gelacht habt weil ihr gelernt habt das auch verlieren zum Leben gehört und es nicht schlimm ist.

Ich könnte noch Seitenweise weiter schreiben und euch erzählen was ihr euren Kindern ganz ohne Kurse beibringen werdet wenn ihr denn bereit seit euch auf die Kinderwelt einzulassen. Das ist nämlich in meinen Augen das Natürlichste der Welt das Kinder selbst entdecken und von ihren Eltern lernen wie die Welt funktioniert. Da braucht es keine Kurse für!!!

Ihr habt es selber in der Hand euer Baby auf dem Weg zum Erwachsenen zu begleiten und ihm alles beizubringen was ihr wisst. Traut euch einfach es ist nicht schwer und richtig oder falsch gibt es nicht. Aber den Versuch es gut zu machen. Wenn ihr dann später von euren Erwachsenen Kindern gesagt bekommt das ihr (fast) alles richtig gemacht habt, ist es das schönste Lob und das kann kein noch so „ach wie toller“ Kurs ersetzen!

Liebe Grüße

Aurelia

4 Kommentare

  1. Wunderbar beschrieben! Ich bin ja nun selbst als sog. Profi unterwegs. 1978 mit Kindergartenpraktikum angefangen, danach Erzieherinnenausbildung – jahrelang gearbeit, dann Sozialpädagogik-Studium, diverse Weiterbildungen. Und was soll ich sagen: Es gibt Eltern, die von ihren Eltern nicht so wunderbar beschriebene Erlebnisse und Begleitung hatten. Diese können es dadurch auch nicht weiter geben. Oder es gibt andere dringliche Lebenssituationen, wo ein Kind eine professionelle Betreuung braucht. Sich mehr Konsum leisten zu können, das eigene Häuschen, das 2. Auto etc. gehört aber definitiv nicht dazu. Liebe Eltern, wenn es euch gelingt, ja, kümmert euch selbst drum, organisiert euch untereinander. Lasst eure Kinder doch einfach mal leben und sich in Ruhe entwickeln, statt sie in irgendwelche hochorganisierten Spezialkurse, Spezialbetreuungen und sonstwas zu geben. Es muss ja auch nicht immer die Frau sein, die Zuhause bleibt. Auch da könnte man ja mal neue Wege probieren. Erzieherinnen im Kindergarten erlebe ich immer noch hochengagiert, aber mit proppe vollem Tagesplan (was soll das…?), Kinder sind erst im Kindergarten, später in Schule und offener Ganztagsbetreuung permanent von unendlich vielen Menschen umgeben, ständig unter Aufsicht, ständig unter Betreuung, ständig verplant. Was soll das? Auch Kinder brauchen Rückzugmöglichkeiten, freies und von Erwachsenen unorganisiertes Spielen. Wollt ihr mit Wissen vollgestopfte Lernmaschinen oder fröhliche und eigenständig denkende und handelnde Menschen?

  2. Da bin ich ganz bei Gabi…die Kinder auch mal Kinder sein lassen. Ganz ohne Helikopter-Überwachung. Obschon der Kindergarten sich meiner bescheidenen Meinung nach nicht in die richtige Richtung entwickelt hat. Es ist vielmehr eine Aufbewahrungsanstalt mit Dokumentationspflicht geworden. Wir bekamen Kinder mit 2 dicken Leitzordnern zurück, aber Schuhebinden, den Stift halten, eine Aufgabe zu Ende führen…das haben sie dort nicht (mehr) gelernt. Ob dies eine Einzelfallerfahrung ist, kann ich natürlich nicht ausschließen. Für meine 3 Kinder war es so. Schade eigentlich.

    btw:
    meine Kleine (mittlerweile 9) hat immer noch nicht gelernt, auch mal beim Spiel zu verlieren ohne sich zu ärgern…vieles ist auch Veranlagung (papagedöns)

    LG, Dieter

    • Moin Dieter,
      oh das finde ich aber erschreckend die Entwicklung in dem Kindergarten /o\
      Meiner Meinung nach ist das zu einem Teil dem Rechtsanspruch für jedes Kind auf einen Platz und der Personalpolitik in den Kindergärten geschuldet. Denn davor waren die Gruppen klein maximal 15 Kinder alle eine Altersstufe und zwei Erzieherinnen. Da konnten sie natürlich ganz anders mit den Kindern spielen und ihnen auch praktische Dinge beibringen wie z.B. Schuhe binden 🙂 Als dann der Rechtsanspruch für alle Kinder ab 3J auf einen Platz kam, wurden in vielen Kindergärten die Grupen Altersgemischt von drei bis sechs Jahren, es wurde aufgestockt auf 20+ Kinder pro Gruppe und mit Glück zu einer Erzieherin eine Praktikantin dazu gepackt. Da bleibt das was ursprünglich mal in der kleinen Gruppe möglich war zwangsläufig auf der Strecke, vielleicht nicht überall aber anscheinend doch mehrheitlich 🙁
      Es ist sehr schade das die Personalentscheidungen in den Kindergärten nicht Schritt gehalten haben, denn mit mehr Erzieherinnen in den Gruppen würde sich da bestimmt wieder einiges positiver entwickeln. Wie immer sparen am falschen Ende.

      *lach… ja die Veranlagung auch ein guter Verlierer zu sein spielt bestimmt auch eine Rolle, da geb ich dir Recht 🙂 aber nicht den Fehler machen sie mit Absicht gewinnen zu lassen nur um sie vor Frust zu schützen gell 😉

      Lg
      Aurelia

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