Da bellt er wieder, der schwarze Hund, nicht sehr laut aber ich höre ihn. Er will mir wohl sagen das es (doch?) zu viel war am Wochenende, von Samstag bis Montag, mit dem was ich alles gemacht habe.
Kleine Warnsignale gab es an den drei Tagen zwar auch, aber man ey, ich will doch auch einfach nur mal wieder ganz normal die paar Dinge machen die ich sonst auch locker an einem Wochenende gemacht habe.
Es ging die Tage davor soweit gut, in meiner Einteilung heißt das „Guter Tag“, also hab ich auch überhaupt nicht geglaubt, oder dran gedacht, daß es hinterher dann so Scheiße wird. Denn wenn ich jetzt auch noch anfange drüber nachzudenken, daß es mir nach Aktivitäten doch wieder schlecht geht, ja dann kann ich mich auch gleich erschießen. Nee das will ich nicht, ich will das es ganz normal ist einfach Aktivitäten spontan und auch geplant zu machen und zuzusagen, ohne drüber zu Grübeln und abzuwägen, ob es danach wieder ausgelaugte leere dunkle Tage gibt.
Was hab ich denn nu alles gemacht am Wochenende? Nicht viel und doch anscheinend zu viel für mich (noch) zur Zeit.
Am Samstag Vormittag kam Maxi Aurelia auf einen Kaffee vorbei, sie hatte mir Freitagabend kurz geschrieben ob das ok ist. Klar ist das ok meine Kinder können immer kommen zu jeder Zeit! Aber mein Kopf legte dann Freitag gleich los, mit Denkspirale: „Du willst aber doch Schnitzel machen und später hast du Kegelwettkampf, dann schaffst du das gar nicht alles. Doch schaff ich. Halt die Klappe, ich schreib Kind jetzt das ich um 12 Uhr mit Mittag machen anfange und Nachmittags um halb drei weg muss zum Kegeln, dann passt das alles. Aber du brauchst doch länger um die Schnitzel zu panieren und wenn dann alle in der Küche sitzen ist da kein Platz. Doch das geht dann panier ich eben auf dem Schrank oder die müssen solang ins Wohnzimmer….“ Soweit meine bekloppten und völlig nervenden Kopfdenkspiralen.
Morgens dann kam dieses Angstgefühl angekrochen, weil ich immer noch bei dem Gedanken ans Essen machen hing und das es ja alles viel zu knapp wird und alles dann durcheinander ist. (In Depressionsfreien Zeiten ist sowas auch bei mir kein Drama gewesen, dann war ich spontan und verschwendete keine Gedanken daran, sondern machte ganz pragmatisch einfach ein Brot und fertig. Hier war es früher häufig so das ich Situationsbedingt einfach was über den Haufen geschmissen habe und dennoch waren alle zufrieden und die Welt ist auch nicht untergegangen) Eine Stunde hab ich hin und her gegrübelt, bis ich dann zu Herrn Aurelia sagte, ich mach kleine Bratwurst, die gehen schneller als Schnitzel und ich komme nicht in Zeitnot. War natürlich für ihn völlig in Ordnung, denn er kennt ja meine Scheiß Gedankenspiralen und dieses sich völlig darin aufzureiben weil es für mich alles durcheinander ist und dann alles nicht so ist wie ich wollte. Nachdem ich das gesagt hatte (ja ich lerne, ich muss klar Kommunizieren was los ist) war die Angst weg und als Töchterlein mit Schwiegersohn kam war alles schön. Wir haben entspannt Kaffee getrunken und ich war nicht unruhig oder auf dem Sprung. Nachdem sie gegangen waren hab ich uns Bratwurst gemacht und es war genug Zeit, auch zusammen den Abwasch zu machen noch eine Tasse Kaffee im Wohnzimmer zu trinken und mich dann in Ruhe fertig zu machen um zum Wettkampf zu gehen.
Beim Kegeln dann war auch erst alles gut bis ich dann erfuhr das wir anders als vor der Saison angekündigt, doch einzeln rausgehen, heißt von jeder Mannschaft immer ein Spieler. Vorher wurde aber gesagt das immer zwei Spieler aus einer Mannschaft raus gehen. Das hätte bedeutet das wir auch früher mit dem Wettkampf fertig sind und ich zwei Stunden früher zuhaus bin.
Ich merkte wie das Angstgefühl und die Unruhe wieder hoch kroch in mir. Das war wieder nicht richtig für meinen Kopf. Wieder Gedankenspirale: „Dann kommst du ja viel später nach Haus, du musst unbedingt zuhaus anrufen damit Herr Aurelia weiß das du länger beim Kegeln bleibst. Dann muss er sich schon mal was zu Essen machen, sonst wird das viel zu spät. Das findet er bestimmt nicht gut.“ Soweit wieder meine Kopfdenkspirale.
Ich hab mich dann erst mal auf einen Stuhl gesetzt und konzentriert geatmet um nicht auch noch in das völlig falsche Atmen zu fallen. Das passiert dann nämlich auch wenn die Angst und die Gedankenspiralen kommen. Irgendwann wurde ich dann wieder ruhiger und hab dann kurz zuhaus bei Herrn Aurelia angerufen und was war? Alles ganz easy! Natürlich fand er das nicht blöd oder sowas und klar macht er sich dann auch was zu Essen, er ist schließlich Erwachsen und kann gut für sich selbst sorgen. Aber das begreift mein Kopf wohl irgendwie noch nicht so wirklich, wenn etwas anders als von mir geplant läuft. Da kommt sofort der alles unter Kontrolle haben müssen Mechanismus durch, gepaart mit dem ich bin Verantwortlich dafür das es jetzt schlecht läuft.
Für Sonntag Nachmittag hatten wir dann einen Besuch bei Schwiegereltern geplant, war alles super und war schön. Nix was irgendwie anstrengend gewesen wäre. Abends zuhaus merkte ich aber das ich keine Lust mehr auf Kommunikation habe, das ich irgendwie leer und ausgelaugt bin. Ich wollte nur noch vom Fernseher berieselt werden und nix Denken oder reden. Hab ich dann auch gemacht und es auch gesagt (das ist ein Fortschritt auf den ich stolz sein darf, denn das war etwas was ich nie gemacht habe, dieses sagen).
Für Montagfrüh hatte Herr Aurelia dann einen Behördengang zu erledigen und meinte Freitag zu mir, daß wir hinterher doch noch schön durch die Stadt bummeln könnten, ob ich denn mitgehen möchte. Sonntagabend hab ich dann gesagt das ich mitgehe und er mich früher als sonst wecken kann, ich aber trotzdem Montagmorgen schauen will ob ich wirklich mit gehen kann. Diese Option, etwas auch ganz kurz absagen zu können ist wichtig für mich dass ich das jetzt klar kommunizieren kann, denn sie nimmt den Druck weg, etwas machen zu müssen auch wenn ich nicht kann. Das habe ich mir sonst nie zugestanden, etwas zugesagtes doch abzusagen, weil ich nicht kann. Das ist dieses um jeden Preis Funktionieren bloß nicht zeigen das es mir grad nicht gut geht. (ein weiterer Fortschritt auf den ich stolz sein darf, denn ich muss gar nix wenn ich nicht kann und ich kann es mir zugestehen)
Montagmorgen hab ich dann entschieden das ich Herrn Aurelia begleite zur Behörde und wir anschließend dann noch durch die Stadt bummeln. War auch soweit ok. Ganz bisschen unruhiges Gefühl nach dem Aufstehen und bis wir dann losgegangen sind, aber dann war es wieder weg und es war gut. Sogar einen Kakao haben wir uns im Restaurant noch gegönnt. Also wirklich ganz entspannter Vormittag.
Zurück Zuhaus haben wir es uns dann gemütlich gemacht auf der Couch. Trotzdem alles so ruhig verlief, wurde ich immer ausgelaugter. Dazu dann noch ein bisschen Muskelkater, aber den hab ich sonst auch wenn wir Wettkampf hatten, stört mich eigentlich nicht geht ja wieder weg.
Aber dieses Körperlich völlig ausgelaugt sein und diese Kopfleere, die macht mich fertig. Denn ich weiß wo die herkommt, ich weiß das da der Hund bellt und mir einreden will das ich nix mehr kann, das ich nicht mehr belastbar bin und darum ja auch gleich einfach alles sein lassen kann. Bringt doch sowieso nix.
Heute haben wir Mittwoch und ich bin immer noch ziemlich ausgelaugt. Bin aber dennoch zum Einkaufen gegangen und habe eine große Runde gemacht, weil ich das wollte, egal ob da einer bellt, der soll sich verziehen in seinen Korb.
Das Aufschreiben hier hilft mir und es dient mir auch dazu es selber zu lesen, daß nicht ich das bin die so völlig konfuses Denken hat und zusammenbricht nur weil Besuch kommt oder der Ablauf beim Sport ein anderer ist, nein das ist die Depression die mir das versucht einzureden! Sie will mich wohl testen und gerne wieder am Boden liegen sehen, keine Ahnung, darum bringt sie auch noch Komplizen mit, wie dieses Körperlich total schlapp sein, Rückenschmerzen (heute mal zur Abwechslung), mehr Ohrgeräusche und das bekannte klumpige Kloßding im Hals.
Ich gönn mir einfach ein bisschen Ruhe und pflege noch ein wenig meinen Muskelkater und nehm mir Zeit für das was ich grad möchte und dann wird es Morgen bestimmt wieder ein Guter Tag! (und wenn nicht Morgen dann eben Übermorgen)
Die Depression kann mich nämlich mal am Arsch lecken!!!
Aurelia
PS: Für Menschen ohne Depression sind die paar Aktivitäten keine große Sache, auch die Interaktion mit vielen Menschen ist da wohl kein Problem, aber für Menschen mit Depressionen können/sind solch paar kleine Aktivitäten schon eine riesen große Herausforderung und Belastung die dann einige Tage lang nachwirken können.